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Wie muss also der Geist von jemandem beschaffen sein, der an ein nur durch harte Arbeit erreichbares Ziel gelangen möchte?

Er benötigt Disziplin, Entschlossenheit und daraus resultierend den Willen, etwas zu erreichen.
Viele haben nicht den Willen, sie haben lediglich den Wunsch, etwas zu erreichen.
Das Erlangen dieses Willens ist jedem möglich, Vorraussetzung ist dazu jedoch, zu erkennen, daß man diesen nicht hat.
Hier hilft bewiesenermaßen die Motivation, welche allerdings ständig erneuert werden muß.
Dies verleitet fast zu der Annahme, daß bei Motivationsbedarf garkein wirklicher Wille besteht, sondern lediglich ein Wunsch.

Dieser Wunsch kann beim Krafttraining diverse Ursachen haben; man möchte gut aussehen, um attraktiv auf das andere Geschlecht zu wirken oder man möchte genauso viel oder gar mehr Masse haben, als das Studiomitglied, das regelmäßig neben einem mit viel mehr Gewichten trainiert.

Der Knackpunkt ist hier, daß das Trainingsziel sich an Präferenzen oder Attributen anderer orientiert, nicht aber einem selbst.
Dies führt über kurz oder lang zu niederschmetternden Ergebnissen, Frustration und Motivationsbedarf – ein klar zu erkennender Teufelskreis.
Somit muß man am Hochpunkt seiner aus einem Wunsch resultierenden Motivation diesen Teufelskreis durchbrechen, Willens- und Geistesstärke aufbauen.

Ohne den entsprechenden Geist kann der entsprechende Wille nicht gedeihen und ohne beides kann kein trainierter Körper gedeihen; es gilt was schon der römische Dichter Juvenal wusste: Mens sana in corpore sano - ein gesunder Geist sei in einem gesunden Körper.
Beides ist Ziel, beides bedingt einander, kommt nicht ohne das jeweils andere aus.
Ist der Körper geschwächt (in unserem Falle durch beispielsweise defizitäre Ernährung), so kann der Geist nicht in vollem Ausmaß arbeiten; ist der Geist geschwächt, so kann kein Wille zum gesunden Körper entstehen.
Letzterer ist Mitvoraussetzung für erfolgreiches Training; da sie einander bedingen, ist es auch der gesunde Geist.

Wenn jetzt also von einem oder dem Ideal die Rede ist, so ist gemeint ein dynamisches Konstrukt aus einander bedingend:

--> realisierbarer Zielsetzung
--> starkem Willen und Geist
--> entsprechender, sich daraus ergebender Lebensweise

Letzendlich ist eben diese Lebensweise unser Ziel und Ideal; erst wenn wir diese erreicht haben, sind wir auf der Höhe unserer Schaffenskraft.

Geschwächt wird der Geist – und letztlich auch der Körper - durch fehlenden Anspruch an sich selbst, durch mangelndes Pflichtempfinden sich selbst gegenüber, durch Frustration (wie diese entstehen und zu vermeiden sein kann, haben wir bereits festgestellt), Faulheit und Indolenz, schlechte Ernährung und Flüssigkeitszufuhr, Drogen (allen voran Nikotin und Alkohol; besonders Nikotinsucht indiziert einen schwachen Geist).

Diese Faktoren gilt es auf dem Weg zum Willen zu durchbrechen, denn sie bedingen den schwachen Geist, welcher dem Willen im Wege steht und ihn zersetzt. Schwacher Geist beinhaltet natürlich keine Wertung, sondern soll mangelndes Durchsetzungsvermögen sich selbst gegenüber möglichst drastisch und deshalb eindringlich ausdrücken.

Dies bedeutet das Ideal als Pflicht zu begreifen; die Pflicht sich selbst gegenüber, einen starken, gesunden Geist und letztendlich starken, gesunden Körper anzustreben, sein zu nennen und behalten zu wollen. Dieses ist der Anspruch an sich selbst; eigentlich sollte selbstverständlich sein, daß jeder Mensch diesen Anspruch hat. Das Gegenteil ist zu oft der Fall; Faulheit und Indolenz überwiegen und be- und verhindern das Erreichen von geistiger und körperlicher Stärke.

Faulheit ist geistige Schwäche, durch Faulheit entsteht Krankheit in Form geistigen und körperlichen Verfalls. Die Medizin besteht aus Selbsterkenntnis und Selbsteinsicht, zusammen mit Ehrlichkeit und Härte sich selbst gegenüber. Der Stolz eines jeden Menschen sollte Faulheit unterbinden und beseitigen wollen.

Indolenz meint die Unbekümmertheit gegenüber allen schädlichen und hindernden Einflüssen, die oftmals ihrerseits die Ursache für (weitere) Indolenz darstellen, beispielsweise das Vorziehen des Sofas dem Laufband.
Ist einem der schädliche Einfluss egal, so ist man sich selber egal.
Dieses sollten Stolz und Anspruch an sich selbst verhindern; begreift man sich selbst als Pflicht, so führt dies zu Erstärkung von Geist und Körper.

Man kommt also leichter zum Erfolg, wenn man die sich aus der Zielsetzung von starkem Körper, Geist, Willen ergebende Lebensweise als ein über allem stehendes Ideal anerkennt und dadurch unempfänglich(er) gegen schädliche, dem Ziel im Wege stehende Einflüsse wird.
Dann ergibt sich regelmäßiges, intensives Training von selbst und der Bedarf nach Motivation schrumpft oder bleibt im Idealfall ganz aus.

Der kritische Leser mag jetzt den Einwand erheben, daß Pflicht kein Vergnügen darstellen würde – aber warum sollte sich das ausschließen? Die Tätigkeit ist die selbe, nur die Sicht darauf und die Herangehensweise eine andere.

Teil 2 vom Artikel über Motivation vom Gastautor Timothy D.

- keep on pumping

Das Ideal - Warum Motivation nur ein Zwischenschritt ist - Teil 2